Piccola / Sardinien – Carloforte / Sardinien

Gozo – Piccola / Sardinien über Marsala / Sizilien
21. April – 30. April 2018

Zum Sonnenaufgang nehmen wir Kurs auf Sizilien. Es weht ein angenehmer Wind, der uns auch in den nächsten Stunden treu bleibt und so können wir mehr segeln als gedacht. Während ich mich dem Schreiben und Fotos sortieren widme, konzentriert sich Karl aufs Steuern. Es sind viele Tanker unterwegs, sonst bleibt es auch in der Nacht ruhig. Der zweite Tag auf See bleibt ohne Vorkommnisse und so liegen wir in der Sonne, hören Musik und segeln. Zum Abend ankern wir dann vor der Stadt Marsala auf Sizilien. Ganz in der Nähe vom Hafen finden wir einen Supermarkt und so machen wir uns mit unserem Beiboot auf den Weg. Nachdem wir den Großeinkauf an Bord gebracht und verstaut haben, sinken wir nach dem Abendessen erschöpft in die Federn.

Der nächste Morgen startet für mich mit den Worten von Karl „Unser Beiboot wurde geklaut“. Sofort hellwach will ich dem gar nicht wirklich glauben schenken, aber tatsächlich, weit und breit kein Beiboot in Sicht. Als hätten wir etwas geahnt, hatten wir den Motor über Nacht angeschlossen, das Beiboot an Deck leider nicht. Daher Glück im Unglück, der Motor ist noch da. Wir überlegen hin und her wie wir am Besten vorgehen, ziemlich klar ist uns beiden, dass wir hier nicht mehr bleiben wollen. Man fühlt sich doch unwohl. Karl telefoniert mit unserer Versicherung, wir gehen zur Polizei und nachdem all das erledigt ist, entscheiden wir uns den Schlag nach Sardinien gleich heute zu starten. Der Wind sollte mit uns sein und ohne Beiboot könnten wir hier auf Sizilien eh nur in teure Marinas.

Als wolle uns die Natur trösten, strahlt die Sonne und der Wind ist perfekt. Er ist gerade so stark, dass es nicht zu wild ist und wir trotzdem super voran kommen. Zum Abend dreht der Wind auf achtern und wir ziehen unsere Doppelfock hoch. Kurz bevor es dunkel wird, gesellt sich eine Taube zu uns, die wohl auch nach Sardinien möchte.

Wie selbstverständlich setzt sie sich auf unseren Bug, macht sich ganz klein und schläft.Die Nacht bleibt sehr ruhig. Es sind kaum andere Schiffe unterwegs, nur hier und da taucht mal ein Tanker am Horizont auf. So bleibt es auch am nächsten Tag. Wir drei (die Taube lässt sich weiterhin kutschieren)

genießen diese Überfahrt richtig.

Als ich gerade eine weiße(!) Wäsche fertig aufgehängt habe, surrt unsere Angelschnur. Wir haben etwas gefangen! Es ist ein Bonito und kein kleiner. Karl strahlt über das ganze Gesicht.

Zum Sonnenuntergang gibt es dann frisches Thunfischsteak.

Die zweite Nacht bleibt ebenfalls ruhig. Je näher wir am nächsten Tag der Küste kommen, desto ruppiger wird es. Der Wind nimmt schlagartig zu und die Wellen werden mehr. Da wir kein Beiboot haben, müssen wir notgedrungen in eine Marina, wir finden jedoch eine günstige. Als wir dort anlegen und der Motor verstummt, sind wir erleichtert und erschöpft. So schön die Überfahrt war, so anstrengend waren die letzten Stunden zur Marina. Beim Anmelden im Büro der erfahren wir, dass sie jemanden kennen, der ein Beiboot verkaufen will. Samstag könnten wir ihn treffen. Mit diesem Licht am Ende des Tunnels geht es zurück an Bord und beinahe übergangslos in die Koje.

Den Tag darauf nutzen wir um die Spuren der Überfahrt zu beseitigen. Wir räumen auf, schrubben Pelican die Salzkruste vom Deck und Sprühen die Segel frei von dem Malta-Staub. Wir füllen unsere Wassertanks und gehen einkaufen. Am Abend planen wir unsere Fahrt nach Cagliari mit dem Bus. Wir wollen uns in den Bootsläden nach einem Beiboot umschauen um einen Plan B zu haben, falls das Samstag nichts wird.

Wie geplant geht es dann früh mit dem Bus nach Cagliari. Karl hat einige Bootsläden um den Hafen ausfindig gemacht, die wir nun abklappern. Beinahe überall bekommen wir zu hören, dass wegen dem Saisonbeginn alle Boote verkauft sind und erst in ein paar Tagen Nachschub kommt. Am Nachmittag entscheiden wir uns mit dem Bus noch zu einem IKEA zu fahren, da wir noch eine neue Pfanne brauchen. Leider werden wir auch hier nicht fündig. Doch ganz in der Nähe von IKEA findet Karl in Google Maps einen Bootsladen. Wie soll es anders sein, dort gibt es noch ein Schlauchboot und kein schlechtes. So haben wir doch noch unser Plan B Boot gefunden. Da der Bus zu Pelican noch braucht, gehen wir noch in ein Lidl ganz in der Nähe. Und unsere Glückssträhne wächst weiter. Wir finden eine Pfanne und direkt daneben eine kleine Eismaschine! Der Tag hat sich zum Schluss also doch gelohnt und so fahren wir zufrieden zurück zu Pelican.

Am nächsten Morgen treffen wir Carlos (der potenzielle Beibootverkäufer) in einem Café in der Marina. Dort trinken wir erst einmal einen Kaffee zusammen und lernen uns kennen. Carlos arbeitet bei dem Militär, scheint allein zu leben und wirkt sehr sympathisch. Er entschuldigt sich vielmals dafür, dass unser Beiboot in Marsala gestohlen wurde. Ihm ist es sichtlich unangenehm, dass uns so etwas in Italien passiert ist. Gemeinsam fahren wir mit seinem Auto zu seinem Haus, wo er uns das Boot zeigt.


Es ist etwas kleiner als unser erstes, es macht jedoch einen guten Eindruck und so kaufen wir es. Kurz unterhalten wir uns noch in seinem Garten bevor wir das Beiboot in sein Auto laden. Ich bekomme noch eine Flasche Wein geschenkt und spätestens jetzt ist Carlos mir sehr sympathisch. Zurück in der Marina verabschieden wir uns von Carlos, Karl geht in das Büro um unseren Liegeplatz zu bezahlen und ich mache alles startklar zum Ablegen. Kurz bevor wir aufbrechen, kommt Carlos noch einmal und drückt Karl noch eine Flasche Sekt in die Hand, einfach so. Netter Mann! Wir legen ab, die Sonne scheint, der Wind ist perfekt zum Segeln und wir sind versöhnlich gestimmt. Vor Piccola ankern wir in einer ausladenden Bucht in seichtem, kristallklarem Wasser. Stolz bekleben wir unser neues Beiboot mit unserem Schriftzug und machen eine kleine Test-Tour.


Wir sind zufrieden. Am Abend genießen wir hier einen wunderschönen Sonnenuntergang.

Sonntag ist Waschtag. Ganz in der Nähe gibt es eine Self Service Wäscherei in der ich mich am Vormittag vergnüge.

Viel produktiver werden wir aber nicht. Wir genießen das treiben auf dem Wasser und genießen die Sonne. Als ich abends die letzten Wäschestücke abhänge, fällt mein Blick auf unser Beiboot. Der linke Schlauch ist platt.

Die Stimmung steigt ins Unermessliche. Ändern können wir jetzt nichts mehr. Wir haben kein Flick-Zeug an Bord und es ist Sonntagabend. Da Karl morgen sowieso mit dem Bus nach Cagliari fahren wollte um ein Schloss zu besorgen, wird er wohl auch Flick-Zeug mitbringen.

Eine Nacht darüber geschlafen, entschließen wir uns, das Plan B Boot zu kaufen. Karl möchte sich nicht von Bucht zu Bucht flicken müssen und da kann ich ihm nur zustimmen. Er schreibt Carlos eine kurze Email und erstaunlicher Weise ist er sofort bereit das Beiboot abzuholen und uns das Geld zurück zu geben. Was für ein ehrlicher Mann. Karl fährt wie geplant nach Cagliari und kauft das Schlauchboot. Es stellt sich heraus, dass es doch ein anderes Modell ist als zunächst gedacht und sogar ziemlich genau solch eines, wie wir es ursprünglich haben wollten. Entsprechend zufrieden kommt Karl wieder zurück und nachdem Carlos das andere Boot abgeholt hat, hoffen wir, dass nun langsam wieder Ruhe einkehrt.

Piccola / Sardinien – Carloforte / Sardinien
30. April – 16. Mai 2018

In den nächsten Tagen bleiben wir in der Bucht vor Anker. Das Wetter ist sehr grau, regnerisch und es stürmt ein paar Tage. Wir vertreiben uns die Zeit mit Filme gucken, backen, wir lernen die Crew eines anderen Bootes kennen, schrubben unser Unterwasserschiff,


machen das erste Mal Eis

und beobachten die wenigen Mutigen, die sich bei dem Wetter mit ihren Brettern aufs Wasser trauen. Zum Ende dieser sehr grauen Woche, blitzt langsam wieder die Sonne heraus und der Wind dreht. Im Südwesten von Sardinien befinden sich ein paar kleine Inseln, die für die nächsten Tage nicht nur Buchten mit perfekten Schutz vor Wind bieten, sondern auch ein super Absprung für unsere Überfahrt Menorca sind. So machen wir uns über Teulada auf den Weg zur Insel Sant’Antioco.

Die Bucht von Teulada.

Früh am Morgen brechen wir zum Sonnenaufgang in Teulada auf.


Dort ankern wir in einer kleinen Bucht vor dem Dorf Maladroxia. Am Abend gesellt sich ein weiteres Segelboot zu uns, jedoch ankern sie weit hinter uns, wo sie Wellen und Wind ausgesetzt sind. Wir wundern uns noch.

Das sollte sich am nächsten Morgen ändern. Wieder werde ich etwas unsanft aus dem Schlaf gerissen „Die Coast Guard will bei uns anlegen“. Sehr freundlich werden wir darüber informiert, dass man um alle Inseln nur in 150m Entfernung vom Land ankern darf. Wir werden um unsere Bootspapiere gebeten und während diese überprüft werden unterhalten wir uns sehr gut mit den Herren. Glücklicher Weise müssen wir keine Strafe zahlen, werden nur gebeten woanders zu ankern. Selbstverständlich machen wir uns sofort auf den Weg und ankern nach einem schönen Segeltrip in einer wunderschönen Bucht vor der Insel Carloforte.

In den nächsten Tagen macht mein Papa mit seinen Freunden eine Motorrad-Tour nach Sardinien. Die Chance wollen wir natürlich nutzen um uns zu sehen. Damit mein Papa nicht allzu weit zu uns fahren muss und um uns mal wieder vor Wind zu schützen fahren wir wieder zu der Insel Sant’Antioco. Karl entdeckt in dem schmalen, flachen Kanal zwischen Sardinien und der kleinen Insel eine Stelle, in der wir eventuell gut ankern können. Der Weg dorthin kostet und ein paar Nerven. Das Wasser ist zwischenzeitlich so flach, dass die Surfer um uns herum nur bis zur Hüfte im Wasser stehen.

Es geht jedoch alles gut und tatsächlich können wir super ankern. Der kleine Ort Sant’Antioco ist sehr hübsch und hat neben einer fußläufig zu erreichenden Tankstelle auch ein Lidl. So verbringen wir die nächsten Tage mit einkaufen,

Spaziergängen und tanken. Dann kommt mein Papa. Ich freue mich riesig!

Wir haben einen richtig schönen Tag an Bord. Essen Eis und quatschen. Viel zu schnell vergeht die Zeit aber für ein fast nicht geplantes Treffen war es super schön. Kurz danach spielt der Wind uns wieder in die Karten und wir erhaschen ein Wetterfenster für die Überfahrt nach Menorca. Wir werden kaum segeln können, aber wenigstens kommt der Wind einmal nicht direkt von den Balearen. Das Segeln im Mittelmeer ist wie ein Würfelspiel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.