Pylos – Peloponnes / Griechenland

Pylos – Peloponnes / Griechenland
09.-27.10.2017

Wir bleiben also in Pylos. Das heißt, wir werden die nächsten Tage erst einmal nutzen um die letzen kleinen Baustellen auf Pelican zu bereinigen. So führt uns die Suche nach Material zu einem Holzmarkt und einem Malerladen. Bepackt mit allem was das „Selbst-ist-der-Segler“-Herz höher schlagen lässt, laufen wir zurück zu Pelican.

Dort wird die Kaimauer zur Werkstatt umgebaut und wir legen los. Bei stärkerem Regen hatten wir ein paar kleine undichte Stellen an unserer Schiebeluke bemerkt. Daher ist dies das erste was sich Karl vornimmt.

Während er die Schiebeluke fast komplett erneuert, stelle ich Pelican von innen auf den Kopf. Nach der Schiebeluke sind die Backskistendeckel dran.

Auch die Doradekästen dichten wir noch einmal ab. Hier und da hält mal ein neugieriger Spaziergänger und bewundert Karls Fertigkeiten. So bringen wir knapp eine Woche zu. Durch einen Segler bekommen wir die Information, dass sich am Freitag die Schlacht von Navarino jährt und dass dafür ein großes Fest geplant ist. Kleiner geschichtlicher Exkurs: Am 20. Oktober 1827 fand in der Bucht von Navarino (wo wir uns gerade befinden) die letzte große Seeschlacht mit Segelbooten statt, welche das entscheidende Ereignis in dem Kampf um die Unabhängigkeit Griechenlands vom Osmanischen Reich darstellt. Beteiligt an der Schlacht waren die damaligen Alliierten England, Frankreich und Russland. So ist es beinahe kein Wunder, dass wir am Morgen des 18. Oktober mit den Trompeten einer Kapelle geweckt werden. Ein russisches Kriegsschiff gesellt sich zu einem griechischen im Stadthafen.

Auch das Dorf ist bereits rausgeputzt.

Bei uns im Hafen tut sich auch etwas. Ein altes, ausrangiertes Fischerboot bekommt einen neuen Aufbau und zwei Masten mit einer roten Flagge.

Na wenn da am Freitag nicht mal ein Spektakel geplant ist. Am 19. Oktober werden die Hotels im Ort mit Soldaten, ihren Angehörigen, Politikern und anderen wichtigen Menschen gefüllt. Nach einer kurzen Begrüßung am Marktplatz gibt es für die Gäste auf Glasbodenbooten ein Touristenprogramm. Für uns geht es an Bord weiter mit der Arbeit. Am Abend führen lokale Folkloregruppen auf dem Marktplatz Tänze auf.

Die Bars und Restaurants um den Platz sind bis auf den letzten Platz gefüllt, überall tanzen kleine Kinder um ihre Eltern und die Verwandten die nicht dabei sein können, werden über das Handy per Skype auf dem Laufenden gehalten. Wieder an Bord stellen wir fest, dass es im Hafen langsam eng wird. Zehn Charterboote mit russischen Gästen haben angelegt und feiern ihre Helden auf dem Kriegsschiff. Am nächsten Morgen werden wir von Kanonenschüssen geweckt. Der Startschuss in einen aufregenden Tag. Nachdem wir uns noch ein wenig den Arbeiten an Pelican gewidmet haben, geht es gegen Mittag ins Dorf. Dort ist bereits der Marktplatz abgesperrt und ringsherum stehen aufgeregte Griechen, Russen, Engländer, Franzosen und andere neugierige Touristen wie wir. Als erstes betreten Vertreter der Kirche den abgesperrten Bereich.

Kurz darauf wird es etwas unübersichtlich bis jeder der Gäste seinen vorgesehenen Platz gefunden hat. Es folgt die feierliche Kranzniederlegung vor dem Denkmal und neben Vertretern des Militärs gibt sich sogar Antonis Samaras ( ehemaliger Premierminister Griechenlands ) die Ehre.

Nach den drei Nationalhymnen vollziehen die Schüler der örtlichen Schule eine Parade, während die Eltern in der ersten Reihe vor Stolz platzen.

Hiermit ist der offizielle Teil beendet und die Menschenmenge löst sich so schnell auf wie die Straßensperrung. Wir nutzen an Bord wieder die Zeit um weiter zu arbeiten bevor wir uns zum Sonnenuntergang am Stadthafen einfinden. Im Hafen stehen kleine Opti-Boote mit blauen und roten Flaggen vor Anker, die die Flotten der jeweiligen Streitmächte der Schlacht symbolisieren sollen.

Als wir ankommen wird ein alter Bekannter gerade von einem Fischerboot in die Bucht geschleppt, das zum „Segler“ hergerichtete Fischerbötchen.

Überall stehen Musikboxen, aus denen bereits die Filmmusik namenhafter Filme wie Fluch der Karibik tönt. Für die Ehrengäste ist eine Tribüne aufgebaut, die sich langsam füllt. Kleine Kinder rennen herum, Alt und Jung versammelt sich am Hafen. Es liegt eine angespannte Vorfreude in der Luft. So richtig weiß wohl kaum einer, was uns gleich erwartet. Als es dunkel ist, wird einer der großen Scheinwerfer auf das Segelboot gerichtet und durch die Hafeneinfahrt kommen drei Segelboote gefahren.

Eines trägt eine russische Flagge. Sie umkreisen das mittlerweile geankerte „Segelschlachtschiff“ und auf der Tribüne tritt ein Mann ans Mikrofon. Er erklärt auf mehreren Sprachen,dass nun die Schlacht von Navarino nachgestellt wird und kommentiert dann auf griechisch, was wir auf dem Wasser sehen. Zunächst tut sich nicht mehr als dass die Segelboote, symbolisch als die drei Alliierten, das in der Mitte stehende umkreisen. Dann werden die ersten Kanonen (dargestellt durch Signalfeuer) abgeschossen.

Das wird schon mit großen Ah’s und Oh’s durch die Umstehenden kommentiert. Jetzt kommt es zum großen Showdown: Das Boot mit der russischen Flagge entzündet ein Signalfeuer, fährt dicht an das Segelschlachtschiff in der Mitte und wirft das Feuer auf das Boot.

In der nächsten Sekunde werden Feuerwerkskörper vom Land aus über das nun brennende Boot geschossen bevor dieses kurz darauf selbst Feuerwerk sprüht und vollends in Flammen steht. In den Gesichtern der Zuschauer zeigt sich, wie unerwartet das kam. Eine Mischung aus Unglauben, Schock und Überraschung und das vor allem bei den Griechen. Das ein oder andere Kind verdrückt sogar eine Träne. Als wäre das jetzt nicht schon genug gewesen, wird der Himmel über Pylos durch ein gigantisches Feuerwerk erhellt. Damit schlägt die Stimmung in hemmungslose Freude und Staunen um. Entsprechend wild ist der Applaus nachdem der letzte Funke vom Himmel gefallen ist. Auch wir können noch nicht so ganz glauben, was da eigentlich gerade passiert ist. Alle historische Richtigkeit, umweltbewusste Gedanken und politische Hintergründe außer Acht gelassen – diese Inszenierung war von vorn bis hinten der Hammer und wird mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werden. Nie war Geschichte so spannend! Das Boot brennt noch als wir zurück zu Pelican laufen.

Am nächsten Morgen legen auch die russischen Charterboote ab, jedoch nicht ohne sich noch gründlich bei ihren Helden vom russischen Kriegsschiff, der „Azov“ verabschiedet zu haben.

Ansonsten kehrt langsam wieder die gewohnte Gelassenheit zurück und wir legen bei Pelican den Endspurt der Arbeiten ein. Um das Cockpit haben wir unseren Decksbelag noch nicht verlegt, was wir in den nächsten Tagen dann endlich erledigen.

Das Wetter wird ein wenig grauer und nachts ziehen um uns herum immer wieder Gewitter auf. Passt beinahe zu unserer Stimmung, denn der Termin für das an Land stellen von Pelican platzt vorerst. Der Kranfahrer hat sich den Fuß gebrochen und ist nun bis auf weiteres in Athen zur Reha. Da wir unsere Flüge bereits gebucht haben, bleibt uns nichts anderes übrig, als Pelican im Wasser zu lassen. Um auf Nummer sicher zu gehen, fertig Karl neue Festmacher an und taucht sogar noch einmal zur Mooringleine.

Somit sollte Pelican in unserer Abwesenheit nichts passieren. Viele andere Segler und sogar Griechen aus dem Dorf die uns beim Bauen beobachtet haben bieten uns an, immer wieder nach ihr zu schauen. So fühlen wir uns sicher, bereits am Donnerstag nach Athen zu fahren, bevor am Freitag unser Flug nach Berlin geht. Nachdem die Segel verräumt sind heißt es also Abschied nehmen.

Das fällt vor allem mir nicht leicht. Obwohl ich weiß, dass wir bald wieder da sind, rollt da die ein oder andere Träne übers Gesicht. Sie ist nach der ganzen Zeit, den vielen Schleusen, Seemeilen und Abenteuern zu einem richtigen Zuhause geworden und wir können es jetzt schon kaum erwarten, uns von ihr noch zu vielen, wunderschönen Orten bringen zu lassen. Bis ganz bald Pelican, bis ganz bald Griechenland – Hallo Berlin, Hallo Familie!

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